Halde Rungenberg fotografieren

17. März 2026

Licht, Geometrie und ein weiter Blick über das nördliche Ruhrgebiet

Die Halde Rungenberg gehört zu den Halden im Ruhrgebiet, die eine ganz eigene, fast geheimnisvolle Atmosphäre haben. Schon von weitem kann man nachts das Licht sehen, das von der Spitze der Halde in den Himmel strahlt. Es wirkt ein wenig wie ein Signal – als würde die Halde der Umgebung sagen: Hier bin ich.

Ich war an einem ruhigen Tag dort. Der Weg hinauf ist angenehm und nicht besonders anstrengend. Schon nach kurzer Zeit merkt man, dass diese Halde eine klare Struktur hat: Gerade Wege, geometrische Linien und ein Ziel, das man schon von unten erkennen kann – die beiden pyramidenartigen Stahlkonstruktionen auf dem Gipfel.

Der Aufstieg verläuft über breite Wege und eine lange Treppe, die direkt auf die Spitze der Halde zuführt. Während man hinaufgeht, öffnet sich langsam der Blick über die Landschaft des nördlichen Ruhrgebiets. Die Umgebung wirkt hier oben überraschend weitläufig. Industrie, Wohngebiete und viel Grün wechseln sich ab – ein typischer Ruhrgebiets-Mix.

Halde Rungenberg

Zwei Pyramiden und ein Lichtstrahl

Das markante Kunstwerk auf der Halde besteht aus zwei offenen Stahlpyramiden, die sich gegenüberstehen. Sie bilden eine klare geometrische Achse auf dem Gipfel der Halde.

Nachts entsteht hier etwas Besonderes: Ein Laserstrahl verbindet die beiden Pyramiden und setzt sich als Lichtstrahl in den Himmel fort. Dieser Strahl ist weit über das Ruhrgebiet hinaus sichtbar und verleiht der Halde eine fast futuristische Wirkung.

Tagsüber hingegen wirkt das Kunstwerk erstaunlich ruhig. Die Konstruktionen sind reduziert, klar und grafisch. Gerade diese Einfachheit macht sie fotografisch besonders interessant.

Man merkt hier oben schnell: Diese Halde lebt stark von Linien, Perspektiven und Symmetrie.

Halde Rungenberg

Der Blick über das Ruhrgebiet

Von der Spitze aus hat man einen sehr schönen Rundblick. Besonders beeindruckend finde ich, wie sich hier die Landschaft entfaltet: Halden, Industrieanlagen, Wälder und Siedlungen gehen ineinander über.

An klaren Tagen kann man weit über Gelsenkirchen hinaus schauen. Gerade in den Abendstunden bekommt die Landschaft eine besondere Stimmung. Das Licht wird weicher, die Schatten länger – eine Zeit, in der sich das Fotografieren besonders lohnt.

Ich habe mir hier oben einfach etwas Zeit genommen. Ein wenig herumgehen, schauen, beobachten. Halden sind für mich Orte, an denen man automatisch langsamer wird.

Halde Rungenberg

Fotografische Möglichkeiten

Die Halde Rungenberg bietet einige sehr interessante Motive – vor allem, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und nicht nur direkt zur Spitze geht.

  1. Die Treppe als grafisches Motiv

Die lange Treppe, die direkt auf den Gipfel zuführt, ist eines der stärksten grafischen Motive der Halde.

Wenn man unten am Beginn der Treppe steht und nach oben fotografiert, entsteht eine sehr klare Linienführung. Die Treppe führt den Blick direkt zur Spitze der Halde.

Besonders interessant sind hier:

  • symmetrische Bildkompositionen
  • starke Fluchtlinien
  • minimalistische Bildgestaltung

Wenn wenig Menschen unterwegs sind, lassen sich hier sehr ruhige Bilder machen. Bei leichtem Nebel wirkt die Szene besonders spannend, weil sich die Treppe dann fast im Nichts verliert.

  1. Zwischen den beiden Pyramiden

Ein sehr bekannter Fotospot liegt direkt zwischen den beiden Stahlpyramiden.

Wenn man mittig zwischen ihnen steht und nach oben fotografiert, entstehen sehr grafische Bilder. Die Linien der Stahlkonstruktionen laufen zusammen und bilden starke geometrische Formen.

Ein paar kleine Tipps:

  • ein Weitwinkelobjektiv verwenden
  • die Kamera leicht nach oben richten
  • die Symmetrie sehr genau ausrichten

So entstehen Bilder, die fast schon abstrakt wirken können.

  1. Panorama über das Ruhrgebiet

Von der Gipfelplattform aus bietet sich ein schöner Blick über das nördliche Ruhrgebiet.

Besonders lohnend ist dieser Spot:

  • zum Sonnenuntergang
  • bei klarer Fernsicht
  • wenn dramatische Wolken am Himmel stehen

Mit einem leichten Teleobjektiv lassen sich hier interessante Verdichtungen der Landschaft erzeugen – Industrieanlagen, Halden und Wälder liegen dann wie Schichten übereinander.

  1. Nachtfotografie mit Laserstrahl

Wenn der Laserstrahl aktiv ist, verändert sich die Atmosphäre der Halde völlig.

Die beiden Pyramiden wirken dann wie ein technisches Kunstwerk mitten in der Dunkelheit.

Für Fotos empfiehlt sich:

  • ein Stativ
  • längere Belichtungszeiten
  • eine eher niedrige ISO
  • leicht unterbelichten, damit der Laser nicht überstrahlt

Besonders eindrucksvoll wirkt der Laser, wenn leichter Dunst oder Nebel in der Luft liegt.

Halde Rungenberg
Halde Rungenberg

Ein kleiner Tipp aus Erfahrung

Viele Besucher gehen direkt zur Spitze der Halde. Fotografisch lohnt es sich aber, auch den Weg nach oben bewusst wahrzunehmen.

Gerade dort entstehen oft die ruhigeren und subtileren Bilder – Linien im Weg, einzelne Bäume, Licht und Schatten auf den Wegen.

Manchmal sind es nicht die spektakulären Motive oben, sondern die stillen Details unterwegs, die ein Bild wirklich interessant machen.

Und genau das macht für mich den Reiz vieler Halden im Ruhrgebiet aus:
Man kommt wegen des Aussichtspunktes – und entdeckt unterwegs Motive, die man gar nicht erwartet hätte.

Halde Rungenberg

Anmerkung

Mein Dank gilt Andreas Sturm, von dem einige der Bilder auf dieser Seite stammen. Andreas Sturm und ich haben gemeinsam den „Fotoscout Ruhrgebiet“ geschrieben und im dpunkt-Verlag veröffentlicht. Wer mehr über Fotografieren im Ruhrgebiet wissen möchte, wird in dem Buch zahlreiche Anregungen finden.

Ralf Bothge / Andreas Sturm: Fotoscout Ruhrgebiet

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