Leica M11 – ich hab’s getan!
Endlich Leica – meine ersten Wochen mit der M11
Es hat lange gedauert. Sehr lange sogar. Die Idee, eine Leica M zu besitzen, begleitet mich gefühlt seit Jahrzehnten. Immer wieder war sie da, diese Mischung aus Faszination, Respekt und – ja: Zurückhaltung. Brauche ich das wirklich? Ist das nicht mehr Mythos als Werkzeug? Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Doch. Jetzt ist der richtige Moment.
Ganz fremd war mir Leica allerdings nie.
Von der Leica R zur Q3 – und jetzt zur M
In analogen Zeiten habe ich bereits mit einer Leica R fotografiert. Eine klassische Spiegelreflex, robust, zuverlässig, ohne Allüren. Damals ging es um Film, Licht und Geduld – um das Handwerk. Die R war nie ein Mythos für mich, sondern schlicht ein gutes Werkzeug.
Viele Jahre später, in der digitalen Fotografie, kam dann vor gut zwei Jahren die Leica Q3 dazu. Die berühmte eierlegende Wollmilchsau: kompakt, unglaublich leistungsfähig, ein festes Objektiv, das praktisch alles kann. Eine Kamera, mit der man nahezu jede fotografische Situation souverän meistert – von Landschaft über Street bis hin zu People.
Die Q3 ist bis heute eine Kamera, die ich extrem schätze. Sie ist schnell, präzise, verlässlich. Und vielleicht gerade deshalb entstand irgendwann das Bedürfnis nach etwas anderem.
Nicht besser. Sondern bewusster.
Weniger Technik, mehr Aufmerksamkeit
Die Leica M11 ist keine Kamera, die sich in den Vordergrund drängt. Im Gegenteil.
Kein Überangebot an Menüs, kein Dauerfeuer an Automatiken, kein Gefühl, ständig etwas optimieren zu müssen. Stattdessen: Ruhe. Reduktion. Konzentration.
Ich nehme die Kamera bewusster in die Hand. Ich sehe länger hin. Ich warte mehr.
Gerade bei meinen Motiven – ruhige Landschaften, Industriefragmente, stille Szenen, Menschen mit Tiefe – passt das überraschend gut. Die M11 zwingt mich nicht zu Entscheidungen, sie fordert mich zu ihnen auf.
Meine Motive – unverändert, aber anders gesehen
Ich fotografiere nicht anders, seit ich die M11 habe. Aber ich fotografiere aufmerksamer.
Strukturen im Nebel, verwitterte Oberflächen, das Zusammenspiel von Licht und Stille – das waren immer schon meine Themen. Mit der Leica habe ich das Gefühl, ihnen näher zu kommen, ohne näher heranzumüssen. Vielleicht liegt es am Messsucher, vielleicht an der Entschleunigung, vielleicht einfach an der Haltung, die diese Kamera mit sich bringt.
Bei der People-Fotografie ist es ähnlich: Die M11 wirkt unaufdringlich. Sie schafft Nähe, ohne laut zu sein. Der Moment zwischen Auslösen und Nicht-Auslösen wird wichtiger – und genau dort entstehen oft die Bilder, die mich wirklich interessieren.
Erste Erfahrungen – nüchtern betrachtet
Natürlich ist nicht alles magisch.
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Der Messsucher verlangt Übung und Geduld.
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Die Kamera verzeiht keine Schlampigkeit.
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Und ja: Man muss wollen, was diese Art des Fotografierens bedeutet.
Aber genau das empfinde ich als Gewinn. Nach vielen Jahren Fotografie fühlt sich die M11 nicht wie ein technisches Upgrade an, sondern wie ein Zurückfinden zu einer Haltung, die mich schon in analogen Zeiten begleitet hat.
Kein Statussymbol, sondern ein Werkzeug
Ich habe mir die Leica nicht gekauft, um „Leica-Fotograf“ zu sein. Ich habe sie mir gekauft, weil sie mich zwingt, das Wesentliche wieder ernster zu nehmen: Sehen, Entscheiden, Auslösen – oder eben nicht.
Die Q3 bleibt ein unglaublich vielseitiges Werkzeug. Die M11 ist etwas anderes: eine Einladung zur Reduktion.
Ob sie bleibt? Davon gehe ich aus.
Nicht, weil sie perfekt ist. Sondern weil sie mich fordert. Und das ist nach über 40 Jahren Fotografie vielleicht das schönste Gefühl, das eine Kamera auslösen kann.

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