Fotografieren mit Filtern

14. April 2021

Wer sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt, egal ob als Hobby- oder als Berufsfotograf, wird über kurz oder lang auf ein wichtiges Thema stoßen: Filter! Ich gestehe, dass das bei mir ziemlich lange gedauert hat. Anders als in der analogen Fotografie, wo vor allem Polfilter für mich zum Standard gehörten, habe ich in der Digitalfotografie lange Zeit nicht wirklich einen Sinn in der Verwendung von Filtern gesehen. Mir hatte sich im Zeitalter von Lightroom und Photoshop nicht erschlossen, welchen Mehrwert mir eine vergleichsweise teure Glasscheibe vor dem Objektiv bringen sollte – kann man den Effekt des Filters, so mein Gedanke, nicht in wenigen Klicks mit einem halbwegs brauchbaren Bildbearbeitungsprogramm simulieren?

Um es vorwegzunehmen: man kann. Allerdings leider nur bedingt. Vor allem Effekt- und Farbfilter (etwa Farb-Korrekturfilter, Weichzeichner, Sternfilter, Farb-Spots, Spektralfilter und Gitterfilter) sind in der Digitalfotografie praktisch nicht mehr erforderlich – der Effekt, den sie hervorrufen, lässt sich mit Photoshop & Co. auf ähnlich gute Weise und im Ergebnis sogar schneller erzielen. Allerdings gibt es beispielsweise Situationen, in denen Reflexionen und Spiegelungen reduziert oder Kontraste und Farben satter dargestellt werden sollen – hier schlägt die Stunde eines guten Polfilters, einem der wichtigsten Filter in der Fotografie. Noch wichtiger, für mich in der Landschaftsfotografie praktisch unverzichtbar ist die Verwendung von ND-Filtern (ND steht dabei für Neutraldichte, genannt werden diese Filter auch Graufilter), mit denen man auch bei hellem Tageslicht und starkem Sonnenschein lange bis sehr lange Belichtungszeiten realisieren kann.

UV-Filter

Wenn Du schon mal ein (teures) Objektiv gekauft hast, wirst Du es vielleicht kennen: am Ende eines Verkaufsgesprächs, kurz vor dem Gang zur Kasse, bietet der Verkäufer Dir den Erwerb eines UV-Filters an. Dies schütze Dein Objektiv, wird er argumentieren, und es diene zudem dazu, einen leichten Blaustich in den Momenten zu reduzieren, in denen der UV-Anteil des Lichts sehr hoch sei, etwa in den Bergen oder am Meer.

Die Argumentation mit der Reduzierung des Blaustichs überzeugt in der modernen Digitalfotografie nicht mehr, denn Digitalkameras kontrollieren den Frequenzbereich des Lichts, den sie auf den Sensor lassen, ohnehin schon sehr genau und ein Objektiv lässt meistens kein UV-Licht durch. Der fotografische Effekt eines UV-Filters ist also gleich Null.

Und auch der Hinweis auf den Schutz der Linse vermag nicht zu überzeugen. Von einer einzigen, sehr konkreten Situation abgesehen (auf die ich sogleich eingehen werde) sehe ich im Erwerb eines UV-Filters keinen wirklichen Mehrwert. Mir reicht zum Schutz des Objektivs neben dem Objektivdeckel die Gegenlicht- oder Streulichtblende, die sich immer auf meinen Objektiven befindet. Sie hält nicht nur in der Luft herum flirrende Umwelteinflüsse vom Glas fern, sondern bietet vor allem auch einen guten Schutz, wenn die Kamera samt Objektiv mal hinfällt.

Die einzige Ausnahme, die einzige Situation also, in der die Verwendung eines UV-Filters Sinn machen kann, ist die Benutzung des Objektivs am Strand oder in sehr staubigen Umgebungen. Vor allem Sand kann zu ekligen Kratzern auf der Linse führen, und wenn Du in einer solchen Situation einen UV-Filter aufgeschraubt hast, zerkratzt halt nur dieser Filter, nicht aber das Glas vor dem teuren Objektiv.

ND-Filter (Graufilter)

ND-Filter, die häufig auch Graufilter genannt werden, sind für mich vor allem in der Landschaftsfotografie zu einem unverzichtbaren Bestandteil meiner Fotoausrüstung geworden. Es gibt praktisch keinen fotografischen Gang in die Landschaft, bei dem meine Graufilter sich nicht in meiner Fototasche – und in der Folge dann regelmäßig natürlich auch vor dem Objektiv – befinden.

ND steht dabei für „Neutraldichte“. Das bedeutet, dass die Filter die Farben nicht verändern, sondern (stark vereinfacht ausgedrückt) dass sie die in die Kamera einfallende Lichtmenge reduzieren. Ein ND-Filter fungiert also quasi als Sonnenbrille für das Objektiv, er dunkelt das Bild ab und sorgt auf diese Weise dafür, dass man auch tagsüber bei starkem Sonnenschein Langzeitbelichtungen vornehmen kann.

Sehr gut sichtbar wird dies bei der Darstellung von Wasser. Die Bewegung des Wassers wird bei Langzeitbelichtungen verwischt, was einen malerischen Effekt erzeugt.

Ein anderes Beispiel, bei dem der Effekt eines ND-Filters gut sichtbar wird, ist das Verschwindenlassen von Menschen. Stell Dir die Situation eines belebten Platzes vor, sagen wir: dem Platz vor einer Kirche. Wenn Du den Platz frei von Menschen fotografieren möchtest, musst Du Dein Bild sehr lange belichten, was nur unter Zuhilfenahme eines Graufilters möglich ist.

ND-Filter gibt es in unterschiedlichen Stärken, angefangen vom Filterfaktor 2 und endend beim Filterfaktor 1.000. Je stärker ein Filter ist, umso länger kann man ein Foto belichten, ohne dass es überbelichtet. Die verschiedenen Stärken werden regelmäßig durch die Zahl hinter der Bezeichnung „ND“ angezeigt. ND 64 bedeutet dabei, dass Du Dein Bild 64mal länger belichten kannst als normal, bei ND 1000 ist es bereits 1000mal länger.

Schauen wir uns das mal anhand der folgenden Tabelle an, die uns Auskunft darüber gibt, wie sich Lichtdurchlässigkeit und Verschlusszeiten beim Einsatz eines Filters ändern:

Filter
ohne
ND 2
ND 8
ND 16
ND 64
ND 1.000
Durchlässigkeit
100 %
50 %
12,5 %
6,25 %
1,56 %
0,1 %
Verlängerung der Verschlusszeit
-
2
8
16
64
1.000
Blendenstufen
-
1
3
4
6
10

Der Tabelle ist zu entnehmen, dass bei Verwendung eines Filters ND 2 nur noch 50 % des vorhandenen Lichts auf den Sensor gerät. Die Verschlusszeit wird damit verdoppelt.

Wird eine Filter ND 64 benutzt, kommt nur noch 1/64 der ursprünglichen Lichtmenge auf dem Sensor an, bei gleichbleibender Blendenöffnung verlängert sich die Verschlusszeit um den Faktor 64.

Die drei am häufigsten benutzten ND-Filter sind 3, 6 und 10 Blenden. Im Allgemeinen können sie wie folgt beschrieben werden:

  • ND 8 Graufilter: Der ND8 Graufilter reduziert das Licht um das achtfache, das heißt: die Verschlusszeit muss nach dem Einsetzen des Filters mit 8 multipliziert werden. Der ND8 Filter ist gut geeignet für Außenaufnahmen vom späten Nachmittag bis zum Abend nach Sonnenuntergang. Am späten Nachmittag ist er nützlich, um die Belichtung zu verlängern, um etwa eine leichte Bewegung in den Wellen am Meer darzustellen, ohne die ganze Wasseroberfläche seidig zu glätten. Nach Sonnenuntergang oder bei sehr schlechten Lichtverhältnissen kannst Du mit diesem Filter sogar einige Minuten belichten.
  • ND64 Graufilter: Beim ND64 Graufilter wird das Licht 64fach reduziert. Wenn Du ohne Filter eine Sekunde lang belichten würdest, beträgt die Verschlusszeit nach Montage des Filters mehr als eine Minute und 4 Sekunden (64 Sekunden). Bei Verwendung eines ND64-Filters ist es empfehlenswert, einen Fernauslöser zu verwenden, damit Du im Bulb-Modus, wenn nötig, auch länger als 30 Sekunden aufnehmen kannst. Der ND64 ist häufig die erste Wahl für Langzeitbelichtungen, da Du ab nachmittags bis kurz nach Sonnenuntergang eine längere Belichtungszeit von etwa 5 bis 15 Sekunden erzielen kannst, bei der die Bewegung der Wolken oder eine Glättung des Meeres schon erreicht wird.
  • ND1000: mit einer gut 1000fachen Reduktion des Lichts ist der ND1000 einer der meistverkauften Filter, denn er ermöglicht es, mit langen und sehr langen Belichtungszeiten zu experimentieren. Bereits ab dem frühen Nachmittag, wenn die Sonne nicht zu stark scheint oder es leicht bewölkt ist, erreicht man außergewöhnliche Aufnahmen. Unmittelbar nach Sonnenuntergang oder eventuell sogar kurz davor können die Verschlusszeiten allerdings wirklich sehr lang werden.

 

Verlaufsfilter

Verlaufsfilter dienen dem Ausgleich von Helligkeitsunterschieden im Bild. Sehr oft stellt sich in der Landschaftsfotografie das Problem, dass der Himmel sehr hell ist, während der Bereich unterhalb des Horizonts stark abgedunkelt ist. Der hohe Dynamikumfang, den solche Motive mit unterschiedlichen Helligkeiten und zahlreichen Kontrasten aufweisen, kann durch einen Verlaufsfilter (auch Grauverlaufsfilter genannt) ausgeglichen werden. Dieser Filter sorgt dafür, dass aus helleren Bereichen während der Belichtungszeit weniger und aus dunkleren Bereichen mehr Licht auf den Bildsensor trifft; die Helligkeitsunterschiede und Kontraste werden auf diese Weise ausgeglichen. Für verschiedene Situationen gibt es deshalb auch verschiedene Grauverläufe.

Polfilter

Polfilter werden hauptsächlich dann benutzt, wenn es darauf ankommt, Spiegelungen und Reflexionen zu minimieren, um so den Fokus mehr auf das Motiv zu lenken und die Farben satter erscheinen zu lassen. Sie finden primär in der Landschafts- und Architekturfotografie Verwendung. Auch in der Produktfotografie findet die Reflexionsreduzierung häufig Anwendung. Ein weiterer Vorteil von Polfiltern ist, dass sie komplementär polarisiertes Licht filtern, sodass die Farben des fokussierten Objekts satter wirken. Die Farben werden intensiver, Dunst und Spiegelungen werden reduziert und der Himmel erhält eine klare und pittoreske Struktur, da die Wolken sich klar vom Blau des Himmels abheben. Wasseroberflächen werden klar und durchsichtig.

Polfilter werden auf das Objektiv aufgeschraubt. Wenn Du durch den Sucher schaust und am Filterring drehst, wirst Du gut sehen können, wie die Spiegelungen und Reflexionen weniger werden bzw. komplett verschwinden oder wie die gewünschte Sättigung von Blau und Grün entsteht.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.