Ich retuschiere gar nichts –
Der Fotograf Peter Lindbergh

22. Juli 2021

Am 3. September 2019 verstarb einer der ganz Großen in der Fotografenszene: Peter Lindbergh. Grund genug, seine Lebensgeschichte etwas genauer zu betrachten.

Es gibt bestimmte Standards in der Porträtfotografie, auf die man beim Betrachten von Bildern in Bildbänden oder im Internet immer wieder stößt: danach müssen Models gut aussehen, perfekt geschminkt und gekleidet sein, die immer gleich aussehenden Posings einnehmen, sie dürfen entweder gar nicht lachen oder – je nach Vorgabe des Auftraggebers oder Fotografen – sie müssen ausschließlich lachen. Anders ausgedrückt: sie müssen so auftreten, als hätten sie ihren eigenen Charakter im Vorfeld des Shootings an der Garderobe abgegeben.

Unter den „großen“ Fotografen unserer heutigen Zeit gibt, respektive: gab es aber eine Ausnahme. Peter Lindbergh hat es immer geschafft, all die von ihm Fotografierten – Schauspieler, Musiker, Models – dazu zu bewegen, ihm ihr wahres Gesicht zu zeigen, ihre Identität und natürliche Form zu offenbaren.

Lindbergh brauchte eine lange und breite Ausbildung zum Leben und zur Kunst, um sich zu etablieren. Er wurde am 23. November 1944 als Peter Brodbeck in Leszno geboren, einer polnischen Stadt, die in der deutschen Übersetzung Lissa heißt, was bei diversen Lindbergh-Biographen fälschlicherweise zu der Annahme geführt hat, Lindbergh sei im sächsischen Lissa geboren. Das polnische Leszno wurde von Nazi-Deutschland annektiert, was seine deutsche Familie veranlasste, gegen Ende des Krieges nach Westen zu fliehen. Man ließ sich in der Industrielandschaft von Duisburg nieder.

Lindberghs Schulbildung war eher überschaubar: Mit 14 verließ er die Schule und arbeitete als Schaufensterdekorateur in einer örtlichen Ladenkette. Später liebte er es, Hintergründe für Shootings zu arrangieren, Fundstücke und Vorhänge mit allen technischen Details zu überlagern.

Er hatte eine klare künstlerische Begabung und verfolgte diese konsequent, zog nach Luzern, dann nach Berlin, wo er Unterricht an der Akademie der bildenden Künste nahm. Schließlich gelangte er nach Arles, der Wahlstadt seines Lieblingsmalers Van Gogh, und er trampte durch Frankreich, Spanien und Marokko.

Künstlername Sultan

Nach Deutschland zurückgekehrt, begann er ganz in der Nähe von Duisburg, nämlich an der Kunsthochschule Krefeld, Kunst zu studieren. Er lernte eine Gruppe von jungen skandinavischen Studenten kennen, die wegen ihres lässigen Stils und ihrer Natürlichkeit Eindruck auf ihn machten. Lindbergh studierte Malerei, probierte sich – zeitweise unter dem Künstlernamen „Sultan“ – in diversen Techniken aus und konnte 1969 sogar eine Ausstellung in der Galerie Hans Mayer in Krefeld vorweisen. Verkauft wurde nichts – allerdings sollen angeblich all die damaligen Kunstwerke noch heute in der genannten Galerie lagern.

Lindbergh war damals künstlerisch nicht orientiert, er war hin- und hergerissen zwischen unterschiedlichen Stilen und Kunstrichtungen. Man kann sagen, dass er sich in einer Sinnkrise befand, sich gleichzeitig aber von Konzeptkünstlern wie Joseph Kosuth, Lawrence Weiner und Douglas Huebler beeinflussen ließ. Vor allem Kosuths Arbeit „One and Three Chairs“ aus dem Jahre 1965 mit ihrer einfachen und kraftvollen Botschaft faszinierte ihn. Im „Artforum“ äußerte sich Lindbergh rückblickend über die Zeit damals folgendermaßen:

 

  • „Ich war Mitte zwanzig und hatte gerade einen sehr bewegenden und grundlegenden Essay über Konzeptkunst von Klaus Honnef gelesen, einem der interessantesten Kunstkritiker der damaligen Zeit. Dieser Essay stellte alles auf den Kopf, was ich bis dahin über Kunst gelernt hatte. Aber so sehr ich auch von der Idee der Konzeptkunst fasziniert und beeindruckt war, zögerte ich doch, mich mit meiner eigenen Arbeit in diese Richtung zu bewegen. Ich beschloss, erst einmal eine Auszeit zu nehmen, um herauszufinden, wie ich weitermachen wollte. Kosuth und Weiner hatten mein ruhiges Künstlerleben ruiniert!“

Erste Kontakte zur Fotografie

Während der Auszeit, die er sich gönnte, erfuhr er, dass Hans Lux, ein befreundeter Fotograf, einen Assistenten suchte. Er sah dies als Zeichen für eine Neuorientierung, auch wenn seine praktischen Kenntnisse von der Fotografie eher überschaubar waren:

 

  • „Ich wusste nichts. Ich hatte keine Ahnung von Kameras oder Lichtsetzung. Aber ich bekam den Job und fand schnell heraus, dass Fotografie etwas war, was mir lag, worauf ich mich gut einlassen konnte. Also blieb ich dabei.“
Hans Lux erzählte nach Lindberghs Tod für das Magazin Profifoto die Geschichte ihrer damaligen Begegnung folgendermaßen:

 

  • „Ich war immer ein Autonarr. Anfang der Siebziger hatte ich einen Lotus Super 7, den ich an den Galeristen Hans Meyer verkauft habe. Mit dem war Pit befreundet. Damals hieß er noch Brodbeck, hatte lange Haare und trug immer einen weißen Overall. Das war die Zeit, als er Kunst gemacht hat und sich Sultan nannte. Ich fand ihn auf Anhieb sympathisch. Er meinte, er wolle fotografieren, aber hätte noch nie eine Kamera in der Hand gehabt. Daraufhin lud ich ihn in mein Studio ein. Am nächsten Tag stand er vor der Tür. Nach rund zwei Monaten hatte er verstanden, worauf es beim Fotografieren ankommt, und wir haben die folgenden zwei Jahre zusammengearbeitet.“

Aus Brodbeck wird Lindbergh

Dies war übrigens auch die Zeit, in der Lindbergh seinen Namen änderte. Er hatte herausgefunden, dass es in der Nähe bereits einen Fotografen namens Brodbeck gab, mit dem es – wie Hans Lux sagte – immer Probleme gab, weil der seine Rechnungen nicht bezahlte. Deshalb benannte sich Brodbeck kurzerhand in Lindbergh um – mit einem „h“ am Ende, weil es nicht so profan, nicht so gewöhnlich klang.

Lindbergh arbeitete ein paar Jahre als Webefotograf in Düsseldorf, wo er zeitweise auch ein eigenes Studio in der Ackerstraße besaß – ein großer Raum mit schwarz gestrichenen Wänden, in denen er anfangs hauptsächlich Kinderfotos machte. 1978 begann er für den „Stern“ zu arbeiten, das deutsche Pendant zu Life und Paris-Match, den Magazinen, deren Bilder seine Ästhetik geprägt hatten. Er schloss sich anderen Stern-Fotografen an, darunter den Fotolegenden Helmut Newton, Guy Bourdin und Hans Feurer. Er zog mit seiner damaligen Frau Astrid nach Paris und etablierte sich dort.

Ein klares „Nein“ zur Vogue

Mitte der 1980er-Jahre begann Lindbergh, für die amerikanische Vogue zu arbeiten – allerdings mit Hindernissen. Alex Libermann, der Redaktionsleiter und Kreativdirektor der Vogue, unterbreitete ihm ein für damalige Verhältnisse durchaus lukratives Angebot, für die wichtigste Modezeitschrift der Welt zu arbeiten – und Lindbergh lehnte ab. Man muss sich das vorstellen: auf der einen Seite ein Fotograf, dem der ganz große Durchbruch noch nicht gelungen war, ein „gehobener Nobody“ in der Szene, der sich mehr oder weniger autodidaktisch das Fotografieren beigebracht hat. Und auf der anderen Seite die mächtigste Modezeitschrift der Welt, die ihm ein Angebot macht, für sie zu arbeiten – und der er einen Korb gibt.

Woher nahm Lindbergh dieses Selbstbewusstsein, was waren seine Motive? Er selbst äußerte sich zu der damaligen Situation einmal in einem Interview für die amerikanische Zeitschrift „Artforum“ und erklärte, er habe die Art, in der die Vogue Frauen abbildete, nicht gemocht:

  • „Sie inspirieren mich nicht. Das war nicht einmal abwertend gemeint, sondern einfach ehrlich. Ich wollte weg von der aufwendig und unpersönlich gestylten, angeblich perfekten Frau und hin zu einer offenen, selbstbewussten, abenteuerlustigen Frau, die ihr Leben im Griff hat, die emanzipiert ist von männlicher Kontrolle. Eine Frau, die für sich selbst sprechen kann.“

An anderer Stelle brachte es Lindbergh noch prägnanter auf den Punkt: ihm habe nicht gefallen, wie die Frauen in der Vogue den Reichtum ihrer Ehemänner zur Schau stellten.

Liberman ließ sich von Lindberghs Absage nicht dauerhaft beeindrucken. Er hielt den jungen Mann im Auge und forderte ihn kurz nach der Absage auf, es doch einfach besser zu machen: „Zeig mir doch mal, wie die Bilder Deiner Meinung nach aussehen sollten.“ Und exakt das tat Lindbergh: er schnappte sich ein halbes Dutzend Models und fotografierte sie, nur mit weißen Hemden bekleidet, in fröhlicher Stimmung am Strand von Santa Monica. Lindbergh schilderte die damalige Situation einmal mit folgenden Worten:

  • „Ich stellte eine Gruppe junger, interessanter Models zusammen, und wir gingen an den Santa Monica Beach. Ich habe ganz simple Bilder gemacht, die Models trugen kaum Make-up, und ich wollte, dass alle das gleiche anhatten, weiße Hemden. Das war ziemlich ungewöhnlich zu der Zeit. Linda Evangelista, Christy Turlington, Tatjana Patitz und Karen Alexander waren alle dabei an diesem Tag.“

Die Fotos zeigen in kontrastreichem Schwarzweiß fröhliche junge Frauen, die nicht posieren, sondern natürlich aussehen, denen Äußerlichkeiten wie gestylte Haare oder perfektes Makeup scheinbar egal sind. Es geht nicht um idealisierte Frauenbilder, sondern es geht um Normalität und um starke Frauen und um pure Lebensfreude – nichts anderes. Und exakt das ist es, was diese Bilder so einzigartig macht, was ihnen so einen unwiderstehlichen Charme gibt.

 

In die Schublade

Für Alex Liberman und die damalige Vogue-Chefredakteurin Grace Mirabella war das zu viel: die beiden hatten nicht mehr als ein Stirnrunzeln für die Bilder über und steckten sie ungenutzt in eine Schublade.

Bald darauf fand ein Wechsel auf dem Chefsessel der Vogue-Redaktion statt und Anna Wintour trat die Nachfolge von Grace Mirabella an. Sie fand die vermeintliche Ausschussware – so jedenfalls die Legende – im Archiv der Zeitschrift, gab einem der Bilder eine Chance und veröffentlichte es in dem Buch „On the Edge: Images from 100 Years of Vogue“. Damit legte sie den Grundstein für Peter Lindberghs Kultstatus in der Modewelt.

Im November 1988 beauftragte sie bei Lindbergh ihr erstes Cover: ein Model, Michaela Bercu, in einer edlen Jacke und in billig aussehenden Jeans mit nacktem Bauch.

Auf dem Bild ist das zu sehen, was mich persönlich an Lindberghs Art zu fotografieren immer wieder fasziniert hat: Es brach alle Regeln! Bercus Haare sind verweht, ihre Augen fast geschlossen, sie trägt marginales Make-up und keinen Schmuck. Die besorgten Drucker der Zeitschrift riefen Wintour an, um zu fragen, ob da ein Fehler unterlaufen sei: War das wirklich das richtige Bild, sollte wirklich dieses Bild aufs Cover der Vogue?

Sollte es, ja. Und Lindbergh machte so weiter. Als er für das Januar-1990-Cover der britischen Ausgabe der Vogue den Auftrag bekam, „die Frau des Jahrzehnts“ zu fotografieren, weigerte er sich mit der Argumentation, die eine Frau des Jahrzehnts könne es nicht geben. Stattdessen trommelte er mitten in Manhattan einige bekannte und weniger bekannte Frauen zusammen und shootete mit ihnen: Cindy Crawford, Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Christy Turlington waren nur einige von ihnen und sie alle sahen aus, um mit Cindy Crawfords Worten zu sprechen, „als wenn wir gerade aus dem Bett gefallen sind“.
Kate Moss, die mit Lindbergh über viele Jahre immer wieder fotografiert hat, versuchte mal die Faszination in Worte zu fassen, die er stets auf sie ausgeübt hat. Sie sagte, dass die Bilder immer sehr einfach wirkten, Schnappschüssen gleich. Und dass der eigentliche fotografische Akt auch tatsächlich spontan geschehe. Dem gingen aber lange Gespräche mit dem Model voraus, in denen Lindbergh sehr genau beobachte, zuhöre, sich intensiv mit dem Model beschäftige. Kate Moss betonte:

  • „Er fragte mich nach meinen Ansichten zu allen möglichen, zum Teil durchaus unwesentlich erscheinenden Dingen. Irgendwann hat er mir mal gesagt, dass er die Frauen so betrachte, wie sie wirklich sind, und dass sie ihm deshalb vertrauten.“

Kate Moss glaubt, dass dies dazu führe, dass sie ihm dann bereitwillig charaktervolle Gesichter zeigten oder alte Hände oder auch Körper, die man als unvollkommen bezeichnen könnte.

Dabei war es ihm egal, ob die Frauen alt oder jung waren. Er drückte das so aus:

  • „Dies sollte heute die Verantwortung von Fotografen sein, Frauen und schließlich alle vom Terror der Jugend und der Perfektion zu befreien.“

Außerdem hatte er ein neues Gespür für Orte. Die waren in seinen Shootings oft industriell, rau. Sie wirkten oftmals für sich gesehen schon wie eine eigene Geschichte, eine Erzählung, die eigentlich kein Model brauchte. Nicht umsonst kommt einem bei den Orten seiner Shootings oftmals die Assoziation, es könnte sich um eine Filmszene handeln, und zwar um eine, in der die Zeit stehen geblieben ist. Und tatsächlich: Lindbergh hat auch Filme gedreht, Dokumentarfilme in erster Linie: Inner Voices (1999) zum Beispiel der als bester Dokumentarfilm beim Toronto Film Festival 2000 ausgezeichnet wurde oder im Jahr 2002 einen Film über seine Freundin Pina Bausch.

Sein Markenzeichen waren von Anfang an schwarzweiße Bilder, die Fotos waren inspiriert von der morbiden Ästhetik eines Federico Fellini oder der dunklen Bildsprache von Fritz Lang. Es sind erzählte Geschichten – und nicht nur Ablichtungen attraktiver Frauen. Viele seiner Aufnahmen können auch als Aufnahmen aus Filmen durchgehen. Das, worum es in der Modefotografie eigentlich geht, nämlich die Kleidung, tritt fast immer völlig in den Hintergrund und auch das sorgfältig aufgetragene Makeup interessierte ihn nicht: nicht wenige Visagisten können Geschichten darüber erzählen, wie Lindbergh ihre stundenlangen Schminkaktionen kurzerhand zunichtemachte, indem er den Frauen das Makeup wieder aus den Gesichtern strich: er wollte das reale Leben sehen, Haut und Härchen, Sommersprossen und Falten.

Und auch zu Bildbearbeitungsprogrammen hatte Lindbergh seine eigenen Ansichten: „Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen“, sagte er. Das liege an Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, die mit wenigen Klicks jeden Hinweis auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten, eine „ganz große Tragödie“.

Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang einer der ganz großen Coups Lindberghs: nachdem er schon in den Jahren 1996 und 2002 die Ehre hatte, den Pirelli-Kalender zu fotografieren, trat man für das Jahr 2017 erneut an ihn heran. Man kann den Pirelli-Kalender nicht kaufen, er wird von dem italienischen Reifenhersteller für exklusive Kunden gestaltet und an diese verschenkt und stellt seit jeher den Inbegriff für exklusive Hochglanz-Erotik dar. Der Kalender gilt als Krönung von Schönheit und Sex, von Erotik und lasziven Posen. Schauspielerinnen und Supermodels ziehen sich für ihn aus. Und dann kam Lindbergh 2017, um mit all dem bisherigen radikal zu brechen. Er lud lebensältere Frauen zum Shooting ein: Uma Thurman, Julianne Moore, Helen Mirren, Charlotte Rampling, um nur einige zu nennen. Er ließ ihnen die Kleider und die Lebensspuren und setzte mit zeitlosen Bildern Maßstäbe der Schönheit: Sex-Appeal, so definierte er es, ist keine Frage des Alters.

Lindberghs Abschied war das aktuelle Cover der UK Vogue: Porträts von 15 Frauen, darunter die Aktivistin Greta Thunberg, die Primatenforscherin Jane Goodall und die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern, die per Videolink aufgenommen wurde (obwohl Lindbergh den tatsächlichen Film immer der digitalen Arbeit vorzog). Und so endete Lindberghs Karriere, wie sie Jahrzehnte vorher begann: mit einem Bild für die britische Vogue.

 

In his own words

Zitate von Peter Lindbergh

 

  • Man fotografiert nicht die Physiognomie eines Gegenübers, sondern die Gefühle der beiden Personen, die beim Fotografieren im Raum waren.
  • Das Lachen hat keinen Wert in einem Porträt. Es überdeckt all das, was darunter liegt. Und das ist doch so viel. (auf die Frage, warum die Menschen in seinen Porträts so selten lachen)
  • Ich retuschiere gar nichts. (2016 in einem Interview mit dem Guardian)
  • Frauen müssen befreit werden von der Idee, dass sie immer jung bleiben müssen und sich dafür in einem bestimmten Alter verunstalten lassen. So verschwinden ihre ganzen Spuren vom Leben. Man sammelt doch in seinem Gesicht und seinem Körper irgendwie an, was man gelebt hat. Wenn man unglücklich ist, wenn einem die eigene Nase nicht passt und man sein ganzes Leben lang durchs Leben läuft und sagt: „Mensch, ich bin ja so hässlich.“ Wenn die Person dann daran was macht und sich freut, dass die Nase jetzt spitzer ist, und sich mehr so fühlt, wie sie immer aussehen wollte: wunderbar. Das soll man niemandem wegnehmen. Aber diese Jugendkomplexe sind so unsinnig.
  • Wenn es nur um die Mode ginge, sollte man Kleider besser vor einem weißen Hintergrund ablichten. Es geht aber um die Frau: Ein gutes Modefoto ist ein treffendes Porträt einer tollen Frau.
  • Duisburg ist nicht unbedingt die allerschönste deutsche Stadt, aber das stört mich nicht. Ich empfinde eine ganz besondere Nähe und Zärtlichkeit für sie. Manchmal mache ich noch einen Abstecher dorthin, wenn ich etwas Heimatluft schnuppern möchte. Wenn man über die Brücken guckt und die ganzen Fabriken sieht, hat das einen besonderen Charme. Wenn ich Leuten aus Paris oder New York stolz zeige, wo ich aufgewachsen bin, fassen die sich an die Stirn und denken sich: „Der hat doch nicht alle Tassen im Schrank!“
  • Ich bin gerne auf Instagram, wir haben auch einen Account. Allerdings zeigen wir nur hochwertige Fotos, nichts Privates – und erst recht nicht, was ich gestern zu essen hatte. Das Furchtbare an Instagram ist, wie die Leute sich selbst in den Vordergrund stellen oder mit vermeintlich wichtigen Botschaftern posieren. Das Prinzip Instagram halte ich aber für phantastisch. […] Was soll ein Junge, der in der Mongolei sitzt und sich für Fotografie interessiert, sonst machen? Für ihn ist Instagram doch ein Tor zur Welt.
  • Alle fragen mich immer: Was ist denn Ihr Trick? Da sage ich immer, da ist kein Trick. Ich mag einfach Leute unheimlich gern. Das geht dann von selber. Wie ich früher immer gesagt hab, bei Newton kommen die Leute rein ziehen sich sofort die Bluse aus und sagen Guten Morgen Helmut. Und bei mir bringen die wirklich viel von sich selber mit und sind bereit, das auch zu zeigen, weil sie denken, dann kriege ich was, was ich sonst nicht von mir sehe.
  • Ich habe mal ein nicht sehr vorteilhaftes, aber interessantes Foto von Jeanne Moreau gemacht und sie darum gebeten, es leicht retuschiert veröffentlichen zu dürfen. Sie war damals 78 und sagte erstaunt: „Aber Peter, was willst du denn da retuschieren?“ Ich würde sagen, Moreau ist die Frau, die ich am liebsten fotografiert habe.
  • Als ich anfing, kamen viele Models aus Schweden, waren blond, hatten perfekte Beine und lachten wunderschön. Die waren 1,73 Meter – für damalige Verhältnisse war das groß. Heute sind die Models um die 1,80 Meter, kommen aus Osteuropa und wiegen wenige, wenige Kilos. Die hungern sich zu Tode, das kann man als intelligenter Mensch nicht gut finden.
  • Ich habe über die Jahre noch mehr erkannt, dass Schönheit nichts mit Jugend zu tun hat. Einen echten Menschen, der sein ganzes Leben im Gesicht trägt, vor sich sitzen zu haben, ist toll. Und selten.

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